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Auslandsunfall, Verkehrsunfall in Europa

Donnerstag, 18. Juni 2009

Ab in den Süden. Vamos al la playa; bonjour; . Buona giornata. Die Urlaubsfahrt mit dem Auto. Wer denkt schon im Vorfeld an einen Unfall.

Sollte man aber!

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Zuhause:

Checkliste für Autofahrer

Vor Reisebeginn über die Verkehrsregeln im Ausland informieren.

  1. Vordruck Europäischer Unfallbericht
  2. grüne Versicherungskarte Schutzbrief ( für den Rücktransport)
  3. Auslandskrankenversicherung
  4. Kurzzeitvollkasko kann für die Dauer eines Monats abgeschlossen werden und deckt alle Schäden am Fahrzeug.
  5. Ganz wichtig: Verkehrsrechtsschutzversicherung (Achtung bei Neuabschluß beachten Sie, das bei einigen Versicherungen Wartefristen von bis zu 3 Monaten bestehen)
  6. Kontrollieren Sie:

Fahrzeug-Schein, Autoclub-Ausweis , Autobahnvignetten, Abschleppseil, Feuerlöscher, Warndreieck, Verbandskasten (kontrollieren), Warnweste für jeden Passagier ( In Spanien muß die Weste im Innenraum mitgeführt werden!!), Bordwerkzeug, Wagenheber Betriebsanleitung
Eine Liste der Auslandsvertretungen Ihrer Automarke sowie die Ersatzschlüssel (Schlüssel kaputt- Wegfahrsperre!) nicht vergessen.

Nach einem Unfall:

Notieren Sie Namen und Anschrift neutraler, möglichst im Urlaubsland ansässiger Zeugen, da die Aussagen der Fahrzeuginsassen häufig keinen Beweiswert haben. Fotografieren Sie die Unfallstelle. Die Fotos sollten die Positionen der Fahrzeuge, Spuren sowie die Schäden erkennen lassen. Unterschreiben Sie nichts was sie nicht übersetzen können.

Unfallort und Unfallzeit (Datum und Uhrzeit),
das amtliche Kennzeichen des Unfallgegners,
Namen und Anschriften der am Unfall Beteiligten,
eventuell Marke und Typ des Schädigerfahrzeugs und
möglichst Name, Sitz und die Versicherungsschein Nr. des Haftpflichtversicherers Ihres Unfallgegners.
viele Fotos von der Unfallstelle den Beschädigungen und dem Endstandort der Fahrzeuge

Rechtliches:

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Wer im Urlaub innerhalb der Europäischen Union unverschuldet in einen Unfall geraten ist, hat es nun ungleich einfacher als noch vor einigen Jahren, aber es ist immer noch beschwerlich.

Es gilt die 4. KH-(Kraftfahrthaftpflicht) – Richtlinie. Diese findet auf Unfälle im europäischen Ausland Anwendung. Diese Richtlinie gilt in allen Ländern der EU und darüber hinaus auch in Norwegen, Island, Liechtenstein und der Schweiz.
Grundsätzlich kann ein Geschädigter seinen Schaden aus seinem Heimatland regulieren.
Beim Zentralruf der Autoversicherer wird dem Geschädigten anhand des ausländischen Kennzeichens der ausländische Versicherer, als auch dessen Schadenregulierungsbeauftragter in Deutschland benannt.

Der Geschädigte kann sich an diesen Schadenregulierungsbeauftragten wenden, der den Schaden im Namen und für Rechnung des verantwortlichen ausländischen Versicherers reguliert. Er muss innerhalb von drei Monaten entweder ein Regulierungsangebot vorlegen oder begründen, warum er dies nicht tun kann.

Jeder Versicherer in Europa muss in jedem Mitgliedsland Schadenregulierungsbeauftragte benennen.

Das heißt Sie können Ihren Schaden aus Ihrem Heimatland bei einem Schadenregulierungsbeauftragten in Ihrer Sprache geltend machen. Sie können aber auch direkt gegen die Versicherung im Land des Unfalles selbst vorgehen.

Einige Fallstricke:

Für Verkehrsunfälle im Ausland gilt das sogenannte “Tatortrecht”. Sowohl das Verkehrsrecht als auch das Schadensrecht des jeweiligen Gastlandes ist einschlägig. Es gibt erhebliche Unterschiede zum deutschen Recht

Bei Unfällen im Ausland zwischen Verkehrsteilnehmern, die beide aus Deutschland kommen, richtet sich die Unfallbewertung nach dem Verkehrsrecht des Unfallortes, der Unfall wird aber nach deutschem Schadenrecht in Deutschland abgerechnet.

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Die Reparaturkosten für einen unverschuldeten Unfall im Ausland werden meist nach den jeweiligen Reparatursätzen des Unfallandes bezahlt. Falls ein Schaden nun in Deutschland repariert wird und die Reparatur ist hier teuerer als in dem “Land des Unfalles”,  muss man den Differenzbetrag aus eigener Tasche bezahlen.

Auch Gutachterkosten und Schmerzensgeld werden nicht oder nicht in vollem Umfange (nach deutschem Maßstab) reguliert. Dies gilt für die Wertminderung des Fahrzeugs, Nutzungsausfallschaden oder Mietwagenkosten.
Wenn der Unfallgegner und/oder dessen Versicherung nicht zu ermitteln sind oder monatelang keine Regulierung des angemeldeten Schadens erfolgt, dann hilft der in Hamburg ansässige Verein Verkehrsopferhilfe e.V.
Die Regulierung durch die Verkehrsopferhilfe ist aber in jedem Falle nachrangig. Zunächst muß der Schaden über den gegnerischen Haftpflichtversicherer laufen.

Aufgrund der komplizierten Rechtslage ist immer angezeigt einen Rechtsanwalt einzuschalten.

Aber Achtung: In vielen Ländern gehören die Rechtsanwaltskosten nicht zum Schaden. Anwaltskosten werden daher in vielen Ländern nicht erstattet.

Eine Rechtsschutzversicherung schafft hier Abhilfe. Die Versicherung wird jedoch nur die Kosten eines Anwalts tragen, zahlt aber für den deutschen Anwalt zumindest eine „Korrespondenzgebühr“. Lassen Sie diese Problematik zunächst durch ihren Anwalt prüfen, bevor eine Kostenlawine los getreten wird.

Aufgrund der Entscheidung des EuGH (Urteil vom 13.12.2007, Az. Rs. C-463/06-FBTO) können Personen, die einen Verkehrsunfall in Europa erlitten haben den Versicherer vor dem Gericht des Ortes ihres Wohnsitzes verklagen.
D.h. ein Deutscher kann nach einem Unfall im Ausland in Deutschland klagen. Es gilt jedoch das ausländische Schadenrecht.  Es empfiehlt sich aber im Falle einer Klage (gerade bei Personenschäden) einen erfahrenen Unfallanwalt aus dem Land des Unfalles mit ins Boot zu holen, der den heimischen Anwalt unterstützt.

Mitgeteilt von RA Wiener Magdeburg

Fachanwalt für Verkehrsrecht

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