Unfall in Europa

Rechtsanwalt Ronald Wiener ist Fachanwalt für Verkehrsrecht und auch AvD-Vertrauensanwalt

Verkehrsunfall im europäischem Ausland – was ist zu tun?
Vor der Reise:

1.) Zunächst sei dem Autobesitzer anzuraten eine Verkehrsrechtsschutzversicherung abzuschließen. Die Kosten von ca 70,00 – 80,00 € pro Jahr stehen in keinem Verhältnis zum Wert Ihres Rechtsgutes. Achtung bei einigen Versicherungen gibt es eine “Wartefrist” von 3 Monaten! Daher rechtzeitig abschliessen.
2.) Abschluss einer Kurz-Vollkaskoversicherung.
3.) Abschluss einer Reisekrankenversicherung.
4.) Abschluss eines Schutzbriefes in dem die obigen Elemente enthalten sind.

Der wichtigste Regulierungsgrundsatz lautet:

Es gilt immer das Recht des Landes in dem der Unfall passiert! In den verschiedenen Ländern der EU werden die Schäden unterschiedlich reguliert. Nur selten kann deutsches Recht zur Anwendung kommen; so z.B., wenn Geschädigter und Schädiger ihren gewöhnlichen Wohnsitz in Deutschland haben, wenn beide Fahrzeuge in Deutschland zugelassen und versichert sind, oder wenn sonstige “wesentlich engere Verbindungen” zu Deutschland bestehen.

Auch bei anderen Schadenspositionen bestehen große Unterschiede.

So werden beispielsweise in Italien die Schadenfinanzierungskosten und die Kostenpauschale nicht ersetzt, in Frankreich werden Anwalts- und Kreditkosten nicht ersetzt. In Spanien erhält der Geschädigte keinen Ersatz für Rechtsanwalts-, Gutachter- und Mietwagenkosten sowie keine Nutzungsausfallentschädigung, Wertminderung und Entschädigung für die Urlaubsbeeinträchtigung. In Griechenland werden u.a. die Gutachterkosten, Mietwagenkosten, Nutzungsausfallentschädigung, Schadensfinanzierungskosten nicht reguliert.

Bei einem Unfall im Ausland daher immer von einen Fachanwalt für Verkehrsrecht beraten lassen, bevor irgendwelche Kostenlawinen los getreten werden.

Das Grüne-Karte-System regelt Unfälle, die durch ausländische Fahrzeuge im Wohnsitzland des Geschädigten verursacht werden.

Im Unterschied hierzu findet die sogenannte 4. KH-(Kraftfahrthaftpflicht)- Richtlinie  auf  Unfälle im Ausland  Anwendung. Diese Richtlinie gilt in allen Ländern der EU und darüber hinaus auch in Norwegen, Island, Liechtenstein und der Schweiz.

Beim Zentralruf der Autoversicherer wird dem Geschädigten anhand des ausländischen Kennzeichens der ausländische Versicherer als auch dessen Schadenregulierungsbeauftragter in Deutschland benannt.

Der Geschädigte kann sich an diesen Schadenregulierungsbeauftragten wenden, der den Schaden im Namen und für Rechnung des verantwortlichen ausländischen Versicherers reguliert. Er muss innerhalb von drei Monaten entweder ein Regulierungsangebot vorlegen oder begründen, warum er dies nicht tun kann.

Erhält der Geschädigte innerhalb der Frist keine oder keine ausreichende Antwort, kann er sich an die deutsche Entschädigungsstelle, die Verkehrsopferhilfe e.V. wenden, die die Schadenregulierung übernimmt. Die Entschädigungsstelle wird binnen zwei Monaten nach Antragstellung tätig, schließt den Vorgang jedoch ab, wenn der Versicherer oder der Schadenregulierungsbeauftragte in der Folge eine mit Gründen versehene Antwort auf den Schadenersatzantrag erteilt.

Jeder Versicherer in Europa muss in jedem Mitgliedsland Schadenregulierungsbeauftragte benennen.

Das heißt Sie können Ihren Schaden aus Ihrem Heimatland bei einem Schadenregulierungsbeauftragten in Ihrer Sprache geltend machen. Sie können aber auch direkt gegen die Versicherung im Land des Unfalles selbst vorgehen.

Aber Achtung; aufgrund der komplizierten Rechtslage ist immer angezeigt einen Rechtsanwalt einzuschalten.

Aufgrund der  Entscheidung des EuGH (Urteil vom 13.12.2007, Az. Rs. C-463/06-FBTO) können Personen, die einen Verkehrsunfall in Europa erlitten haben den Versicherer vor dem Gericht des Ortes ihres Wohnsitzes verklagen.
D.h. ein Deutscher kann bei einem Unfall im EU-Ausland in Deutschland klagen. Es gilt aber das Recht des Unfalllandes! Meiner Meinung nach empfiehlt es sich daher im Falle einer Klage einen erfahrenen Unfallanwalt aus dem Land des Unfalles mit ins Boot zu holen, der den heimischen Anwalt unterstützt.